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Hohenheim, d. 11. Mey Donerstag 1780.
"Im Dörfle wurde wie geweniglich, wan es schen ist,
frie gestiegdt, es war recht schen, nach mitag ließen der Herzog das
Leibscorps Kommen u. teilden die Pferde ein, dan fur man spatzieren, es
Kam aber ein Wetter, daß man Baldt wieder umkeren muste."
Auf den Tag genau 226 Jahre später nach dieser
Tagebuchnotiz von Franziska von Hohenheim lud Siegfried, ein Verwandter
von Roland, die Muskeltiere nach Kemnat zu einer Wanderung ein und alle
fünf kamen. Mit dabei war auch ein Vetter Siegfrieds, auch ein Roland.
Zunächst ging's über den Ramsbach und die mittlere Filderlinie durch
eine vor ca. 30 Jahren angelegte Allee zum SCHLOSS HOHENHEIM. Jetzt eine
Universität mit wunderbarem Campus und wunderbaren Studentinnen, die
Studenten waren deutlich in der Unterzahl.
Siegfried klärte uns auf: Schloss Hohenheim ist die
letzte große Schöpfung Herzog Carl Eugens von Württemberg, Es wandelte
sich während der Bauzeit zwischen 1772 und 1793 vom kleinen Landgut zur
repräsentativen Landresidenz. Hier lebte der Herzog mit seiner zweiten
Gemahlin Franziska von Hohenheim, und arbeitete mit großer Energie vor
allem an der Gestaltung des „Englischen Dörfle“, einer fiktiven
Ortschaft mit über 60 teilweise „antiken“ Gebäuden inmitten eines
Landschaftsgartens. Die Illusion vom einfachen Landleben sollte hier
Wirklichkeit werden, der Ehrgeiz des Herzogs und die Vielfältigkeit des
Projekts schufen eine verwirrende Fülle.

Franziska von Hohenheim führte ihr Tagebuch über 9
Jahre von 1780 bis 1788 fast lückenlos. Mit gewöhnungsbedürftiger
Schreibweise (siehe Auszug oben!). Da es Tagebuch heißt hat sie
wohl nicht erwähnen wollen, was sie des nachts gemacht hat. Erotische
Bemerkungen sind also Fehlanzeige und so ist interessanter für
Historiker als für Genießer.
Zurück zur Wanderung: Nach kurzer Visite
des Schlosses ging's durch die ordentlich gepflegte Parkanlage zum nahen
Landwirtschaftsmuseum, wo der Museumswärter im Alter den ausgestellten
Geräten kaum nachstand. Der exotische Garten mit alten Bäumen aus allen
Regionen der Erde war mit ein weiterer Höhepunkt des Tages. Schließlich
kam der botanische Garten und die Lehranlage für den Weinbau.

Durchs Körschtal führte der Weg nach Scharnhausen -
vorbei an einigen Mühlen, in denen heute überall Pferde untergebracht
sind. Wieder fiel den Muskeltieren auf, dass 95 Prozent Reiterinnen
sind, männliche Gestalten ebenso deutlich in der Unterzahl wie in der
Uni Hohenheim. Gut dass Siegfried eine Runde selbstgebrannten Schnaps
ausgegeben hat - zum Trost für die einsamen rein männlichen Wanderer.
Und immer wieder konnte uns Siegfried Wissenswertes zu den einzelnen
Mühlen und Sehenswürdigkeiten mitteilen. Nach
dem traditionellen Abschluß mit Vesper und Bier im einem Vereinsheim in
Ruit und der Rückkehr nach Kemnat waren sich alle einig: Ein
Super-Wanderung. Vor allem war das Wetter "schen" und es kam kein
Wetter auf, das "man Baldt wieder umkeren muste". Anders wie vor 226
Jahren!!
Die Muskeltiere danken Siegfried und seinem Neffen
Roland für die excellente Vorbereitung und Führung.
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