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„Mann“ kann es drehen und wenden wie man will. Ab
und zu braucht jeder ein bischen Glück. Die Muskeltiere hatten es bei dieser
Wanderung ausreichend. Sie haben es aber auch verdient. Aber nun der Reihe
nach.
Treffpunkt Weinbergstrasse. Alle fünf, diesmal ohne
Senno. Der Otmar versteht es immer wieder seine Wandervorschläge so zu
veredeln, dass nicht einmal der Jannis murrt. Das kommt meistens später mit
zunehmenden Wanderkilometern. Diesmal waren es ca. sechzehn. Reichenbach -
Weiler - fast in Sulpach – Fischweiher – Rosswälden - Hochdorf- Reichenbach.
Schon bei dieser Aufzählung wird jedem Leser klar, dass es sich um
Profi-Muskelstiere (!!!) handelt! Nachdem wir am Fischweiher lange darüber
diskutierten, ob der einzige Fisch, den wir gesehen haben, ein Karpfen oder
ein Hecht war und uns nicht einigen konnten, beschlossen wir weiterzulaufen.
Bevor wir in der Wildnis verdursten sollten wir den „Ochsen“ in Rosswälden
erreichen. Der Tiroler Wirt und die Stammtischgäste haben unser „Grüßgott“
schwäbisch reserviert aber freundlich erwidert. Die Mischung am Stammtisch
mit dem groß gewachsenen, fünfundsechzigjährigen Christian aus Hochdorf, den
stämmigen, einheimischen Bauern, dem zurückhaltenden kleinwüchsigen Wirt und
den fünf Muskeltieren am Nebentisch stimmte.
Der Christian, ein Chirurg a. D., aus der Ukraine kam
1946 mit seine „Maaama“ in das gelobte Schwabenland. Später hat er als
Jagdflieger im Geschwader „seventy four“ einen Scheinangriff auf den
Chiemsee - oder „Chemiesee“, wie er sagte - unternommen und siehe da, die
Freundin wurde schwanger!! Seitdem ist er mit der „Chemiesee“ verheiratet.
Er hier - sagt der Christian - und zeigt auf den daneben sitzenden Bauern
kann kein Schwabe sein. Er verschenkt zehn Festmeter, zum Abtransport
vorbereitetes, bestes Brennholz. So wirst du deine Ägypten Reise niemals
finanzieren! So ist es aber!! Wo ist denn dein Holz? In Kanadaaa!! Ägypten
war das Stichwort für die immer hilfsbereiten Muskeltiere -Ägyptologen. Wir
haben mindestens drei. Du darfst deine Frau nie allein lassen, nicht
ungekochtes essen, nur aus der Flasche trinken und vorbeugend gegen
Durchfall morgens, mittags und abends einen Schnaps trinken. Man hat es
direkt sehen können, wie überwältigt der Bauer von so viel Fachwissen war.
Ja, sagt er, wenn ich es so überlege, das ist ja wie wenn ich zuhause wäre!!
Ich werde aber auf jeden Fall eine Flasche Willi mitnehmen.
Nachdem wir den Christian und den Bauern so langsam
näher kennen lernten, betrat der Karl die Wirtschaftsbühne. Kein großer;
dazu noch mit einen sehr tief liegenden Hosengürtel und mit einen etwas
verlorenen Blick aber schwäbisch stur gerade ausgehend. Schob manche Stühle
beiseite und setzte sich an den Stammtisch. Ist der Karl dicht, dachten die
Muskeltiere. „Ja Karle bist du auch da“, begrüßt ihn der Christian. „Halt
dein Gosch, du Arschlöcher. Ich heiße Karl und nicht Karle“. „Karle passt
aber besser zu dir und Arschlöcher ist doch Mehrzahl, ich bin aber allein“.
„Macht nichts, damit treffe ich besser“. „Karle, dein Kopf ist so massiv, da
hat Hirn keinen Platz“. Pause und sofort geht es weiter, wie einstudiert.
Karle meint, Christian habe ein sauberes Weib vom Chiemsee. Das habe er
nicht verdient. „Also, Karle du kannst zu mir kommen, mit der „Chemiesee“
flirten oder sonst noch was machen, aber lass die Finger von meinen
Essiggurken!!“ Was soll man von so einem Flüchtling halten? Vom
Jagdgeschwader erzählt er. Da hat er vielleicht mal das Flugzeug tanken
dürfen. „Also Karle, ich will ja nicht, wie die anderen, mit Schlössern
meiner Familie und mit Titeln prahlen. Ich sage dir nur eins: In unserem Gut
in der Ukraine hatten wir 10 Ar Schnittlauch! Nur für das Personal! Der
wurde mit der Sense abgemäht! Und wir sind sechsspännig in die
Räucherkammer gefahren!!“ „Aber….“, versucht der Karle, aber er kam nicht
weiter. „Und mit solchen Mostköpfen wie Deinem haben wir die Kellerfenster
zugemacht, dass die Rüben nicht erfrieren.“ Bei so einer geballten Ladung
hat der Karle immer sein K.O.-Argument parat: „Du Arschlöcher!“
Nun
sind die Muskeltiere dran. Wo kommt ihr her? Aus Reichenbach. Macht nichts.
Das sind auch Menschen!! Und wer ist von euch Schwabe? Rate mal. Also, die
zwei da (Waldemar und Gerd) sind bestimmt Preußen. Du (Roland) bist mit
Sicherheit Schwabe. Warum? Weil Du so ein sparsames Gesicht hast!! Du
(Otmar) könntest auch Schwabe sein. Warum? Weil Du immer die Zähne zeigst!
Und was ist er (Jannis)? Er sieht aus, wie ein aufgepfropfter Schwabe.
Kommst Du aus der Ukraine? Nein, sonst würde ich dich ja kennen. Also, gut
Freunde. Karle, Du bist auch mein Freund. „Du Arschlöcher!“ „Das steht aber
jetzt nicht im Textbuch, Karle.“
Also, Freunde, ich als Arzt und treuer Wirtskunde,
ich bin jeden Tag ab zehn Uhr hier. Ich erzähle euch eine Geschichte: „Bei
der mündlichen Prüfung hat unser Professor eine männliche Leiche auf der
Bahre in den Vorlesungsraum bringen lassen und den herumsitzenden Studenten
die Frage gestellt: Bitte um eure Diagnose: Woran ist der Mann gestorben?
Hirnschlag und Herzschlag waren die vom Professor nicht akzeptierten
Antworten. Da meldet sich mein Nebensitzer aus der achten Sitzreihe. Herr
Professor, der Mann hat zuviel geraucht, noch mehr gesoffen und ist an
Leberzirrhose gestorben. Der Prof staunt über die richtige Ferndiagnose und
fragt: Bist du auch sicher? Aber klar! Ich werde doch meinen Vater kennen!!“
Zum Abschied hat der Christian noch ein paar Takte
gekonnt gesungen. Die Aufforderung, mit dem Wirt zu tanzen, hat er mit der
Bemerkung abgelehnt, mit diesem „Zwetschgenmann“ tanze ich nicht. Nur mit
seiner „Chemiesee“.
Die Muskeltiere verabschiedeten sich lachend und
klatschend mit der Zusage: Wir kommen wieder. Das waren zwei Stunden
Bauerntheater vom feinsten. Wir hatten Glück.
Für
die nächsten vier Wochen wird der Chronist aus dem Ausland berichten.
Aus Nikiti.
Viel Spaß.
Die verbleibenden vier Muskeltiere wünschen ihrem Chronisten
einen wunderschönen Urlaub auf seinem "Schloss". |