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Der braungebrannte Kreta-Urlauber Waldemar stand schon an
der Kreuzung und wartete auf Gerd und Roland. Dann gings zu Otmar, aber
den kann man derzeit nicht abholen. Er ist eingemauert
zwischen Baustellen. So trafen wir ihn erst im Lützelbachtal, in das wir dann
immer tiefer eindrangen, bis zur Abzweigung nach Baltmannsweiler. Die
Kirschen sind noch nicht reif, stellten wir unterwegs fest, aber nächste Woche
wird es vielleicht soweit sein. In Neidlingen werden wir dann sicher
nicht so viel wie heute diskutieren können, denn die Kirschen müssen schließlich
getestet werden. Und mit vollem Mund spricht sich's schlecht.
Man muß schon gut aufeinander
eingespielt sein, um in der richtigen Distanz aneinander vorbeizureden.
Das gilt natürlich nicht bei den Muskeltieren.
Beweis dafür waren unsere heutigen Themen: Illegale Rentenreduzierung, wiederbelebter Visa-Untersuchungsausschuß, kreative Steuerpolitik:
wie Brillensteuer? Haarschnittsteuer? Fenstersteuer? Gardinensteuer? - (Die
beiden letzteren hat es tatsächlich schon mal gegeben).
Statt mehr Steuern will Otmar
mehr Einsparungen: Seine Straßenlampe wird viel früh
eingeschaltet und auf seine wiederholten dringlichen Ermahnungen will
einfach keiner hören.
Weder die Gemeinde, noch der Energieversorger. Das war der richtige
Punkt für Roland, seine neugelernte Anti-Ärgerstrategie zu testen.
Abgeguckt bei
Vera F.
Birkenbihl, einer Managementtrainerin. Geht ganz simpel: Sich
einfach nicht
ärgern lassen, sondern jeweils verzeihen - ausdrücklich oder heimlich.
Ob's bei Otmar funktioniert? Wir werden sehen.
Und noch ein Thema: Wenn es keine Menschen auf der Erde gäbe, wer würde
dann die Welt beherrschen? Da waren wir uns nicht ganz einig. Ratten?
Ameisen? Oder Kakerlaken? Das steht zur Klärung an.
Pünktlich wie geplant trafen die Muskeltiere auf Rolands Ranch
ein. Vereint wurde gezaubert: Würste gegrillt, Gurken geschält,
Radieschen geputzt, Tomaten und Brot geschnitten und natürlich Getränke eingeschenkt. Und nach der Arbeit kam das Vergnügen: Fast alles wurde
verputzt, wobei Rolands Gartennachbar, auch ein Roland, noch ein wenig
unterstützte. Er schien sich in der Runde richtig wohl zu fühlen und
wollte gar nicht mehr heim. Sicher wäre er auch gern ein Muskeltier -
trotz seiner 90 Jahre, die er auf dem Buckel hat.

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