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Der Karlstein ist Pipifax, sagte Otmar. Recht hat er. Da
stimmten auch Waldemar und Roland zu. Kirschenmäßig ist die
Karlsteingegend im Vergleich zur Umgebung von Neidlingen sogar ein
Nichts.
Als wir am Schützenhaus in Neidlingen losmarschierten hatten wir noch
keine Ahnung, was uns erwartet. Zuerst ging´s eine kleine Steige hoch,
dann in einem langen Bogen auf fast ebener Strecke hinter dem Waldrand
und über eine Wacholderheide bis Häringen. Hunderte, ja sicher tausend
Kirschbäume entlang der Wanderroute verlockten zum Probieren. Das Wetter
war nicht zu heiss und die Kirschen im rechten Reifezustand. Eine ideale
Planung! "Die süßesten Früchte essen nur die grossen Tiere - weil diese
Tiere groß sind und süsse Früchte hoch sind" - so heißt es in einem
Schlager. In Neidlingen hängen die Kirschen in allen Höhen und auch die
körpermäßig kleineren Muskeltiere hatten im Vergleich zu Otmar kein
Problem an die süßesten Dinger zu kommen. Es war ein Hochgenuß! Bis uns
die Kirschen bald zu den Ohren herauskamen. Das Philosophieren kam
diesmal zu kurz - schließlich kann man mit vollem Mund schlecht
sprechen.
Unterwegs
hatten wir tollen Ausblick abwechselnd zum Reußenstein, zur Limburg und
zur Teck. Aber mehr als die schöne Aussicht interessierten uns heute die
Kirschen. Das drückt natürlich das Wandertempo, so daß es schließlich
schon 17.30 Uhr war, als wir voll gesättigt zum Schützenhaus
zurückkehrten. Aber ein Wiener Schnitzel und ein Bier brachten wir doch
noch runter - mit sanfter Gewalt. Otmar hatte danach das Gefühl,
schwanger zu sein. Auch optisch konnte man das vermuten! Es drückt aufs
Zwerchfell, meinte er. Nun - immer noch besser, als wenn es aufs Gehirn
drückt.
Als sich die Kirschen bei der Heimfahrt im Auto zu Wort
meldeten, beschleunigte Waldemar das Tempo. Sicher ist sicher, dachte
er. Wahrscheinlich hatte er Bedenken, dass wir sein Auto ruinieren
könnten!?

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